Spezial: Πεντηκοστή (Griechische Pfingsten)




Wenn Griechen feiern, ist immer was los, besonders an religiösen Festtagen. Anders als hierzulande ist bei orthodoxen Christen nicht Weihnachten, sondern Ostern das höchste und wichtigste Ereignis im Kirchenjahr. Danach kommt der 15. August, „Mariä Himmelfahrt“, also der Namenstag der Jungfrau Maria.  In vergangene Woche nun war Pfingsten und auch da, wurde natürlich wieder reichlich getanzt und lecker gegessen. 

Aber Moment mal, wieso eigentlich erst letzte Woche? War Pfingsten denn nicht schon vor 14 Tagen? Auch hier unterscheiden sich die orthodoxen Christen, denn sie verwenden für ihre biblischen Berechnungen (anders als wir) den julianischen Kalender, so dass hier die Tage anders liegen und meist später als in den westlichen Kirchen. 

Doch wie sieht so ein orthodoxer Pfingsttag denn nun eigentlich aus? 

Am Anfang steht natürlich der Gottesdienst bzw. die „heilige Liturgie“ („Θεία Λειτουργία“). Sie wird nicht gelesen, sondern wie es der Name schon gesagt, gesungen. Ja und so ein Gottesdienst, der geht dann auch gerne mal zwei bis drei Stunden. Allerdings kann jeder kommen und gehen, wann und wie er es will. 

Orthodoxe Gotteshäuser sind alle nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Im Eingangsbereich finden sich verschiedenen Ikone und es werden dünne, kleine Kerzen angeboten, die man für ein paar Cent erwerben, entzünden und in einen dafür vorgesehenen Ständer stellen kann. Dabei kann ein Gebet gesprochen und geliebten Menschen gedacht werden.

Im Hauptbereich der Kirche dann gibt es Stühle für die Gläubigen, wobei die Frauen auf der linken und die Männer auf der rechten Seite sitzen und am Ende eine große Ikonenwand, die „Ikonostase“ genannt wird. Beim Betreten der Kirche hört man den lauten Gesang der Pastoren und es riecht intensiv würzig nach Weihrauch.

Orthodoxe Kirchen gibt es in Deutschland viele, so auch in Dortmund. Sie befindet sich dort in der Luisenstraße. Gäste sind hier jederzeit mehr als gerne gesehen und auch wirklich „herzlich willkommen“, das gilt besonders an Tagen, an den gefeiert, gelacht und getanzt wird. So also auch an Pfingsten, griechisch „Πεντηκοστή“ (Pentokosti), wie eben am letzten Sonntag.

Nach dem Gottesdienst wurde hier gegrillt und da darf der traditionelle, griechische Fleischspieß, „Souvlaki“, natürlich nicht fehlen. Er besteht aus kleinen Schweinefleischwürfeln, die knusprig braun gebraten und in einer speziellen Marinade aus Öl, Zitrone und Oregano gebadet werden. Sie schmecken wirklich gut und sind nicht umsonst bei den Griechen eine mehr als beliebte Spezialität.


Mitglieder der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Dortmund beim Grillen



Noch wichtiger als das Essen ist allerdings die Musik. An Tagen wie Ostern, Pfingsten oder Neujahr darf die Folklore natürlich nicht fehlen. Sie wird griechisch „Dimotika“ genannt und hat absolut nichts mit „Bouzouki“ oder gar „Sirtaki“ zu tun. Ihre Hauptinstrumente sind Trommel, Geige und Klarinette. Nahezu jede Region hat ihre eigenen Tänze und Trachten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. 


Griechische Folklore vor der griechisch-orthodoxen Kirche in Dortmund

Griechische Insel haben dementsprechend auch eine eigene Folklore, die „Nisiotika“ genannt wird und deren Tänze wahnsinnig schnell sind. Am temporeichste und kompliziertesten sind hier bei die der Insel „Kreta“, die noch einmal einen ganz speziellen Stellenwert einnehmen und vorwiegend mit der Stehgeige „Lyra“ gespielt wird.

Sie gibt es auch den Griechen aus dem „Pontos“, obgleich sie dort etwas anders ausschaut und hier „Kementze“ genannt wird. Der „Pontos“, das war eine Region am Schwarzen Meer, in der über Jahrhunderte Griechen siedelten und lebten. Sie hatten dort sogar ihre eigene Hauptstadt, „Trabzona“, das heute Trabzon in der Türkei und sie sprechen eine ganz eigene Sprache mit türkischen, russischen und natürlich griechischen Einflüssen.


Musik und Tanz aus dem Pontos 

Traditionen, Herkunft und Folklore nehmen bei den Griechen einen hohen Stellenwert ein. Besonders die „Pontos-Griechen“, die aus der Türkei radikal verdrängt wurden, pflegen ihre Tänze, Instrumente und Lieder wie ein Heiligtum und nicht wenige davon, sind heute auch bei den Griechen selbst zu Hymnen geworden. 

Übrigens, Griechenland hat bisher nur ein einziges Mal den „Eurovision Song Contest“ gewonnen, nämlich mit der Sängerin „Elena Paparizou“ und ihrem Song, „My number one“. Der Titel basierte dabei auf pontischen Rhythmen und einem kurzen Solopart, gespielt auf der „Kementze“. Hättest du das gewusst?

Bist du neugierig geworden auf Griechenland, dessen Folklore und orthodoxe Traditionen? Da komm doch mal vorbei und schau sie dir an, nicht nur in Dortmund freut man sich auf dich.


Pfingsten bei der griechischen Gemeinde in Dortmund


Ευχαριστώ πολύ την ελληνική κοινότητα του Ντόρτμουντ που μου επέτρεψε να χρησιμοποιήσω τις φωτογραφίες τους για το blog μου.

Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Beitrag! Ein hohes kirchliches Fest mit Grillen und Tänzen zu feiern ist in der katholischen Kirche eher fremd. Ich find's klasse, wie die griechische Gemeinde feiert!
    Was eine Kementze ist musste ich googeln

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  2. Hallo liebe Sabine, wie schön dich wieder hier zu lesen! Das was du schreibst höre ich sehr oft. In Griechenland werden Feiertage religiöser Art ganz anders zelebriert als bei uns. Ich würde fast behaupten, da ist auch der Umgang mit der Religion an sich ein ganz anderer.

    Hab einen schönen Tag!

    AntwortenLöschen

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