Traurig sein



In meinem heutigen Wort zum Sonntag möchte ich mich einem sehr ernsten und dunklen Thema widmen, nämlich der Trauer. Es geht um Zeiten in unserem Leben, in denen wir emotional und nah am Wasser gebaut sind, denn auch sie gibt es, nur sprechen wir oft nicht darüber, was sehr schade ist.


Wie aber komme ich eigentlich, zu diesem doch sehr speziellen Thema? Nun, ich habe in dieser Woche ganz verschiedene Dinge erlebt und auch Sachen gehört bzw. gelesen, die mich haben nachdenklich werden lassen.

Schauen wir uns dazu doch einfach mal die folgenden Sätze an:


1. Ich kann doch nicht immer nur klagen und sagen es geht mir schlecht.

2. Urplötzlich ist die Fassade gefallen! Ich habe angefangen zu weinen.

3. Ich habe oft das Gefühl, das man einfach wieder funktionieren muss und das ist nicht so.

4. Es fällt mir schwer, vor Fremden zu weinen. Ich versuche das zu vermeiden.


Sie alle stammen aus der vergangenen Woche und von ganz unterschiedlichen Personen, die mich zugegeben, doch sehr berührt und auch bewegt haben.


Gehen wir nun genauer auf die einzelnen Aussagen ein.


1. Ich kann doch nicht immer nur klagen und sagen es geht mir schlecht

Nein! Das geht natürlich nicht! Das Problem an diesem Satz ist allerdings nicht das Klagen, sondern das Immer. Wenn es jemanden nur noch schlecht geht, er nicht mehr lächeln und lachen kann, er oder sie im wahrsten Sinne des Wortes, des Lebens müde ist, dann muss etwas passieren und Hilfe von außen her.

Wenn wir allerdings Tage haben, an denen wir ernster, nachdenklicher und stiller sind, so ist das völlig in Ordnung und auch absolut ok. 

Klagen ist erlaubt. Traurig sein ist kein Verbrechen

Wir alle haben und tragen unterschiedliche Stimmungen in uns und niemand da draußen ist immer nur glücklich. Von daher, brauchen wir uns unserer Trauer und den melancholischen Momenten in unserem Leben auch nicht schämen. Ganz im Gegenteil. Sie sind ein Teil von uns.



2. Urplötzlich ist die Fassade gefallen! Ich habe angefangen zu weinen

Bei diesen Sätzen muss ich an meinen Vater denken. Einst sprachen wir miteinander und er sagte zu mir, „weißt du was? Der Mensch ist der größte Schauspieler. Er spielt für alle anderen immer die Rolle, die sie gerade sehen wollen“.

Damals hat mich das total schockiert. Ich habe mir gesagt, „so sind wir Menschen nicht“. Doch es ist so. Wir geben uns nach außen so, wie andere uns gerne sehen wollen. Wichtig ist nicht, wie es uns wirklich geht, sondern was Andere von uns denken. Wenn ich schwach bin, dann machen sich meine Liebe um mich sorgen, also bin ich stark, auch wenn ich es in Wahrheit gar nicht bin.

Im antiken Griechenland gab es einen wunderbaren Spruch: „Stark sind jene die Schwäche zeigen. Schwach aber sind die, die meinen, sie müssten immer stark sein“.

Die Fassade ist gefallen? Wieso war da überhaupt eine! Wir sind Menschen und keine Maschinen. Wir haben Emotionen und eine Seele in uns. Sie zu zeigen ist kein Verbrecher.

Hierzu noch ein Spruch aus dem alten Hellas: „Ein Mensch welcher eine Seele besitzt ist ein reicher Mensch“. Also seien wir doch reich und stehen wir zu unseren Gefühlen. Verzichten wir auf die Fassade, zumindest dort wo es geht.



3. Ich habe oft das Gefühl, dass man einfach wieder funktionieren muss und das ist nicht so

Richtig! Das ist nicht so! Auf Kommando zu funktionieren, darauf sind Soldaten geschult und selbst die haben damit so manches Mal ihre Probleme. Warum also müssen wir funktionieren? Müssen wir das, weil die Anderen es von uns erwarten oder glauben wir nur es zu müssen, weil dir denken, dass Andere es von uns verlangen? Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass unsere Umwelt viel umsichtiger ist als wir glauben und von daher, finde ich es gut, wenn wir auch mal nicht funktionieren.

Übrigens, wenn wir vom Funktionieren sprechen, denke ich ganz automatisch auch an Maschinen, allen voran an den Motor des Volkswagen. Wie war das noch? Der läuft und läuft und läuft .... Stimmt, allerdings auch nur so lange, wie wir ihn pflegen und warten. Das ist sollten wir niemals vergessen.



4. Es fällt mir schwer vor Fremden zu weinen. Ich versuche es deswegen zu vermeiden

In einem griechischen Lied singt der wunderbare und großartige Sänger Stratos Dionisiou (in Griechenland eine Legende): „Ich weiß, dass Männer nicht weinen“. So bin ich auch von meinem Vater erzogen worden. Meine Mama sah das, zum Glück, etwas anders.

Als meine Oma starb und wir auf den Friedhof fuhren, trafen wir dort am Eingang eine gute Freundin meiner Eltern. Es war die erste Beerdigung für mich und mir zitterten die Knie. Tränen liefen mir über das Gesicht und die Freundin schaute mich an mit den Worten: „Du muss nicht weinen, bitte weine nicht“.

Ich frage mich bis heute, warum sie das gesagt hat. Hatte sie Angst, dass ich meine Trauer und meine Tränen nicht im Griff habe oder war sie einfach nur hilflos und mit der Situation für sich selbst überfordert!?

Weinen ist mir lange schwergefallen. Emotionen und Tränen zeigen, nur wenn ich alleine bin und nicht bei denen, die Stärke von mir erwarten. Und dann, ich nutze ich mal das Wort von oben, ist auch bei mir die „Fassade“ gefallen. Ich habe aus dem Nichts heraus angefangen zu weinen und die Reaktion meiner Mitmenschen war: „Wow, wie schön, dass du Emotion zeigen und deine Gefühl rauslassen kannst“.

Trauer, ihr Lieben, im Großen und im Kleinen gehört zu unserem Leben. Sie ist ein Teil von uns und wir sollten lernen, zu ihr und zu unseren Gefühlen zu stehen. Wir sind Menschen, keine Maschinen und wer alles in sich hineinsaugt und glaubt, er könne alles mit sich alleine ausmachen, der irrt. Für mich ist heute jede Träne ein Geschenk.

In diesem Sinne: Habt einen schönen Sonntag, ob glücklich oder traurig, fröhlich oder melancholisch. Schämt euch nicht eurer Tränen, sondern freut euch, dass ihr Menschen mit Herz und Seele seid!

Euer Ersatzgrieche








Kommentare

  1. Liebe Alexandra, ich möchte deine so vielen und auch sehr emotionalen Worte nicht kommentieren. Aber ich danke dir ganz herzlich dafür und freue wirklich sehr darüber.

    Aus dem ebenso nassen und kalten NRW dir ganz liebe Grüße nach Zürich!

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